cii-logo.gif (11841 Byte)

back.gif (1079 Byte) hier zurück zur Bücherübersicht

Wolfgang Losacker:

"Südsee - meine Geschichten"

 

TEIL I

....

Suwarrow

Suwarrow, eine der nördlichen Inseln des Cook-Archipels, besitzt eine sagenumwobene Geschichte. Piraten des Südpazifiks sollen hier ihre Schätze vergraben haben. Auch heute noch ist diese Insel unbewohnt. Schwere Hurrikane sind über sie hinweggegangen und haben Teile von ihr ins Meer gespült. Nur der Neuseeländer Tom Neale hat acht Jahre lang auf ihr gelebt. Es ist nicht sicher, ob er nach den Piratenschätzen gesucht hat, aber gefunden hat sie bisher niemand.

Es regnete schon den ganzen Tag über. Grosse, dunkle Wolken hingen über der Lagune von Suwarrow. Als sie etwa in ihrer Mitte angelangt waren, sahen sie eine schwarze Wolke direkt vor sich. Sie hing tief und schien die Wasseroberfläche fast zu berühren. Dann begann der Regen aus ihr herabzufallen. Sie wurde eins mit der Lagune, und sie sahen die Wolke und den Regen von Windböen getrieben auf sie zu rasen. Als sie mitten darin waren, fiel der Regen so dicht, dass ihre Augen verschwammen. Ihr Blick reichte nur noch wenige Meter weit und Keu, der den Aussenbordmotor des kleinen Aluminiumbootes steuerte, drehte das Gas zurück, denn er konnte die Richtung nicht mehr finden, und auch die überall in der Lagune verstreuten Korallenfelsen nicht mehr erkennen. Nga und Tai sassen vorne im Boot, ihre Kleidung völlig durchnässt, und sie krümmten sich zusammen wie nasse Katzen. Keiner sprach ein Wort, sie fühlten sich sehr verlohren in einer Welt, die nur noch aus Wasser zu bestehen schien. Die Böen bauten rasch Wellen auf der Lagune auf, das Boot schaukelte, und es dauerte eine ganze Weile bis die Regenwand hinter ihnen lag. Tai schöpfte mit einer halben Kokosnusschale Wasser aus dem Boot, und Keu nahm Fahrt auf in Richtung des grossen Motus, das jetzt wieder vor ihnen sichtbar wurde. Als sie ins flache Wasser kamen, stiegen sie aus, kippten den Motor nach vorne und zogen das Boot ein kleines Stück den Strand hinauf. Sie nahmen den Proviantsack und ihre Arbeitsgeräte und gingen ins Innere des Motus. Es wuchs hier dichtes Buschwerk. Nga, der vorausging, gebrauchte einige Male sein Buschmesser, um ihnen den Weg zu bahnen, bis sie eine kleine Anhöhe erreichten, auf der ein grosser alter Eisenholzbaum stand. Unter seinem Schutze setzten sie sich nieder. Es hatte zu regnen aufgehört, aber alles um sie herum triefte vor Nässe und sie konnten kein Feuer anmachen. In weniger als einer Stunde würde die Nacht hereinbrechen, und sie beschlossen, unter diesem Baum auf dem Boden zu schlafen. Tai gab jedem eine Dose Cornedbeef aus dem Proviantsack. Sie öffneten sie der Reihe nach mit dem Buschmesser und aßen dann mit der Hand aus der Dose.

Es dunkelte schon, als Keu sich daran machte, die Überreste des Mahles zu vergraben. Er schaufelte etwa einen Fuss tief und wollte gerade die leeren Blechdosen in das Loch werfen, als sein Spaten auf Wiederstand stiess. Mit seiner rechten Hand fasste er nach, schob den Sand beiseite und stiess erschrocken einen Schrei aus. Er hatte in die leeren Augenhöhlen eines Totenschädels gegriffen. Nga und Tai eilten herbei. Gemeinsam gruben sie das Skelett eines Mannes aus, der auf einer Holzkiste sass. Sein Schädel zeigte auf der Hinterseite ein grosses Loch und ihm fehlte der Unterkiefer. Die Kleidung war zerfallen, nur der breite rote Ledergürtel mit der grossen glänzenden Silberschnalle, der um seine Hüfte lag, schien gut erhalten.

"Ein Gürtel wie ihn die Piraten früher trugen", sagte Tai, "dieser muss eines gewaltsamen Todes gestorben sein, den Unterkiefer abgeschossen und erschlagen. Die Piratenkapitäne pflegten immer einen Wächter zurückzulassen, wenn sie ihre Schätze vergruben."

In dem Augenblick, als sie sich daran machten, die Kiste zu öffnen, begann der Regen wieder, und von Osten her zog ein Gewitter auf. Donner grollte, als die Kiste endlich aufsprang...

....

 

TEIL II

....

Hochzeit in der Südsee

Morgendliches Erwachen mit Meeresrauschen, kleine Wellen spielen an dem weißen Sandstrand. Es duftet nach frischen Blumen, Salz und Sonne; welch ein Licht. Wenn doch alle Tageim Leben so beginnen wollten.

Mit Blumenketten geschmückt badb gehen, der Duft und die Farbenvon Tipani, Bougainvilla, Hibiskus und Gardenia verschwimmen auf einer türkisleuchtenden Lagune. Und es ist warm, herrlich warm. Die Zeit steht still unter den Strahlen der Sonne aus endlosem Himmelblau.

Später gleiten wir mit dem polynesischem Rennkanu über die glasklare Lagune zur kleinen Sandinsel am Riff und werden beim Klang der Muschelhörner an den Strand getragen. Noch mehr Blüten, ein ganzer Hochzeitsbogen über uns, und Pfarrerin Makerere gibt uns all ihren Segen für unsere Trauung, ein langes Leben, viele Kinder und Kndeskinder. Dann die Ringe, der Kuss, Champagner und Krabbenschnittchen. Die Musik spielt auf, Gitarren, Ukulelen, Trommeln und Gesang, fröhliche Lieder von Polynesischn Abenteuern, Festen und viel Liebe.

Der Tamure beginnt. Sonnengebräunte Körper der Tänzer mit Blättern und Blüten bekleidet schwingen zum Rhythmus, romantisch und zärtlich; sie tanzen für uns, sie fordern uns auf, lassen uns teilnehmen am polynesischen Charme und ihrer Lebensfreude.

Dieser Tag möge nie enden.

Als die Abendsonne ihr Gold auf die Lagune wirft, pflanzen wir zwei Palmen. Die Polynesier sagen, dass ihre Kokosnüsse unsere Kinder tränken und ernähren werden.

Nirgendwo leuchtet der Sternenhimmel so klar wie in der Südsee, ist der Sand so weich und warm, die Luft noch voll vom Duft der Blüten und das Wasser der Lagune selbst noch klar und blau in der Dunkelheit. Eine tropische Hochzeitsnacht und der Wind erzählt seine Märchen im Rauschen der Palmen...

....

Fortsetzung folgt...

 

back.gif (1079 Byte) hier zurück zur Bücherübersicht

 © Alle Bilder und Textausschnitte sind mit freundlicher Genehmigung und ausschließlichem Urheberrecht des Feldhaus Verlages Hamburg hier übernommen worden:

Feldhaus Verlag, Postfach 73 02 40, D-22122 Hamburg

Feldhaus Verlag Hamburg

 

  © 1999-2006, black-pearl.de